Als ich von den SPD-Plänen erfuhr, Arbeitnehmern, die keine Steuererklärung mehr abgeben, € 300,- zu erstatten - ich möchte eher meinen: schenken - habe ich mich gefragt, wo ich lebe. Ist es Schlaraffia oder doch mehr die aus einschlägigen Streichen bekannte Stadt Schilda ?
An Schlaraffia erinnert mich das Vorhaben, mittels einer Postkarte € 300,- zu „erwirtschaften“.
Das könnte man ja gleich mit erledigen, wenn man aus dem Urlaub seine Freunde mit Urlaubskarten grüßt.
Die „Zielgruppe“ der SPD möchte ich näher betrachten. In diesen zweifelhaften Genuss sollen diejenigen kommen, die bisher keine Steuererklärung abgegeben haben oder bisher weniger als € 300,- erstattet bekommen haben. Zur ersten Gruppe ist zu sagen, dass es für eine Nichtabgabe verschiedene Gründe gegeben hat, u.a. weil eine Nachzahlung zu befürchten war und man bisher vom doch engmaschigen Netz der Steuerverwaltung nicht erfasst wurde. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass die Finanzverwaltung derzeit aufgrund von Mitteilungen der jeweiligen Zahlstellen „Hatz“ auf Rentner macht und damit unsere Senioren in diesem Lande sehr verunsichert und verschreckt. Das passt schon einmal nicht zusammen. Zur zweiten Gruppe ist zu bemerken, dass das Geschenk sehr unterschiedlich ausfallen würde. Hat man bisher € 10,- erstattet bekommen, würde man € 290,- gewinnen, waren es vorher € 290,-, so sind es leider nur € 10,-. Der Grundsatz der gleichmäßigen Besteuerung würde hier wohl doch schwerwiegend verletzt. Das Grundgesetz nach meiner Meinung wohl auch. Überdies kann man sich durch geschickte Steuerklassenwahl sowohl der einen oder anderen Gruppe zuordnen. Im Klartext: es ließe sich je nach Berechnungsergebnis auch switchen.
Meine erschreckendste Erkenntnis aus dieser SPD-Theorie ist aber folgende:Zunächst gestalte ich das deutsche Steuerrecht derart kompliziert, dass es keiner mehr versteht.
Sodann mache ich verbindliche Auskünfte mit eben dieser Begründung kostenpflichtig. Danach gestehe ich ein, dass auch die Staatsdiener in der Finanzverwaltung hier überfordert sind. Letztendlich entledige ich mich der Pflicht, meine eigenen Gesetze durchsetzen zu müssen. Gegen Entgelt - eben € 300,- Ablassgebühr - versteht sich. Toller Ausweg aus dem Steuerdebakel. Fazit: Es ist wohl doch Schilda. Die SPD möchte zur Gegenfinanzierung die „Reichensteuer“ erhöhen. „Reichensteuer“ ist auch ein schickes Wort. Es passt gut zum „Volksempfinden“. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass man durch Halbierung der Einkommensgrenzen immer mehr Bürger zu „Reichen“ macht - in diesem Fall würde man die Anzahl etwa vervierfachen. Und damit höhere Steuersätze anwenden. Das gilt im übrigen auch für die Armutsgrenze: Erhöhe ich die Einkommengrenze, so gibt es immer weniger „Arme“. Lässt sich doch gut steuern, oder nicht ? Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Bei genauer Betrachtung ergibt sich, dass bei der angedachten Halbierung der Einkommensgrenzen ein Alleinstehender mit € 125.000,- Jahresgehalt (das entspricht etwa dem dreifachen Durchschnittsverdienst) zu den neu definierten Reichen gehört. Bereits heute summieren sich seine Abzüge auf 48 %. Da scheint ja wirklich noch etwas Luft zu sein. Unter „reich“ habe ich mir in früheren Zeiten etwas anderes vorgestellt. Heutzutage gehört jeder Bundestagsabgeordnete dazu, dessen Diäten sich zusammen mit der steuerfreien Aufwandspauschale monatlich auf € 11.450,- belaufen. Glücklicherweise sind davon „nur“ € 7.668,- steuerpflichtig. Vielleicht definiert man zukünftig durch Halbierung der Einkommensgrenzen all diejenigen als reich, die aus eigenem Einkommen noch leben können. Verwunderlich wäre es nicht.
Ich warte auf den Tag, an dem die „Reichen“ Schwarzarbeit machen.
Jürgen Ebert
Fraktionsvorsitzender der FDP im Rat der Gemeinde Schalksmühle
An Schlaraffia erinnert mich das Vorhaben, mittels einer Postkarte € 300,- zu „erwirtschaften“.
Das könnte man ja gleich mit erledigen, wenn man aus dem Urlaub seine Freunde mit Urlaubskarten grüßt.
Die „Zielgruppe“ der SPD möchte ich näher betrachten. In diesen zweifelhaften Genuss sollen diejenigen kommen, die bisher keine Steuererklärung abgegeben haben oder bisher weniger als € 300,- erstattet bekommen haben. Zur ersten Gruppe ist zu sagen, dass es für eine Nichtabgabe verschiedene Gründe gegeben hat, u.a. weil eine Nachzahlung zu befürchten war und man bisher vom doch engmaschigen Netz der Steuerverwaltung nicht erfasst wurde. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass die Finanzverwaltung derzeit aufgrund von Mitteilungen der jeweiligen Zahlstellen „Hatz“ auf Rentner macht und damit unsere Senioren in diesem Lande sehr verunsichert und verschreckt. Das passt schon einmal nicht zusammen. Zur zweiten Gruppe ist zu bemerken, dass das Geschenk sehr unterschiedlich ausfallen würde. Hat man bisher € 10,- erstattet bekommen, würde man € 290,- gewinnen, waren es vorher € 290,-, so sind es leider nur € 10,-. Der Grundsatz der gleichmäßigen Besteuerung würde hier wohl doch schwerwiegend verletzt. Das Grundgesetz nach meiner Meinung wohl auch. Überdies kann man sich durch geschickte Steuerklassenwahl sowohl der einen oder anderen Gruppe zuordnen. Im Klartext: es ließe sich je nach Berechnungsergebnis auch switchen.
Meine erschreckendste Erkenntnis aus dieser SPD-Theorie ist aber folgende:Zunächst gestalte ich das deutsche Steuerrecht derart kompliziert, dass es keiner mehr versteht.
Sodann mache ich verbindliche Auskünfte mit eben dieser Begründung kostenpflichtig. Danach gestehe ich ein, dass auch die Staatsdiener in der Finanzverwaltung hier überfordert sind. Letztendlich entledige ich mich der Pflicht, meine eigenen Gesetze durchsetzen zu müssen. Gegen Entgelt - eben € 300,- Ablassgebühr - versteht sich. Toller Ausweg aus dem Steuerdebakel. Fazit: Es ist wohl doch Schilda. Die SPD möchte zur Gegenfinanzierung die „Reichensteuer“ erhöhen. „Reichensteuer“ ist auch ein schickes Wort. Es passt gut zum „Volksempfinden“. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass man durch Halbierung der Einkommensgrenzen immer mehr Bürger zu „Reichen“ macht - in diesem Fall würde man die Anzahl etwa vervierfachen. Und damit höhere Steuersätze anwenden. Das gilt im übrigen auch für die Armutsgrenze: Erhöhe ich die Einkommengrenze, so gibt es immer weniger „Arme“. Lässt sich doch gut steuern, oder nicht ? Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Bei genauer Betrachtung ergibt sich, dass bei der angedachten Halbierung der Einkommensgrenzen ein Alleinstehender mit € 125.000,- Jahresgehalt (das entspricht etwa dem dreifachen Durchschnittsverdienst) zu den neu definierten Reichen gehört. Bereits heute summieren sich seine Abzüge auf 48 %. Da scheint ja wirklich noch etwas Luft zu sein. Unter „reich“ habe ich mir in früheren Zeiten etwas anderes vorgestellt. Heutzutage gehört jeder Bundestagsabgeordnete dazu, dessen Diäten sich zusammen mit der steuerfreien Aufwandspauschale monatlich auf € 11.450,- belaufen. Glücklicherweise sind davon „nur“ € 7.668,- steuerpflichtig. Vielleicht definiert man zukünftig durch Halbierung der Einkommensgrenzen all diejenigen als reich, die aus eigenem Einkommen noch leben können. Verwunderlich wäre es nicht.
Ich warte auf den Tag, an dem die „Reichen“ Schwarzarbeit machen.
Jürgen Ebert
Fraktionsvorsitzender der FDP im Rat der Gemeinde Schalksmühle











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